So viel kosten scharfe Waffen auf dem Schwarzmarkt

dzProzessauftakt

Der Schuppen an der Gerhart-Hauptmann-Straße erschien wie die Hinterhofwerkstatt eines Motorradschraubers. Tatsächlich verdiente der Betreiber mit Waffen sein Geld. Wie viel, offenbarte der erste Prozesstag.

Unna

, 17.10.2019, 12:49 Uhr / Lesedauer: 2 min

Maschinenpistolen und -gewehre, scharfe Munition und Handgranaten – der britische Ex-Soldat und seine getarnte Waffenwerkstatt in Unna waren Teil eines Händlernetzes, das den Abnehmern die Ausrüstung für folgenschwere Attentate hätte liefern können.

Tatsächlich sollen drei Mordversuche aus dem Rockermilieu in Hagen mit Pistolen aus dieser Lieferkette verübt worden sein. Sechs Mitglieder des Netzwerkes stehen nun vor dem Landgericht in Arnsberg – dort, wo mit dem Waffenhersteller Umarex eine wichtige Beschaffungsquelle für den Händlerring saß.

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Der 53-Jährige stand dabei offenbar am Ende der Lieferkette. Er war demnach einer von drei Abnehmern eines Mittelsmannes, der Waffen bei einem inzwischen gekündigten Werksangehörigen von Umarex beschafft hat.

Die Pistolen aus Arnsberger Produktion – Walther P22 und PK380 – machten allerdings nur einen Teil des Sortiments aus. Mit der Sachkunde, die er sich als Soldat erworben hat, baute der Mann in der vermeintlichen Motorradgarage Schreckschusspistolen und Dekorationswaffen zu funktionstüchtigen Tötungswerkzeugen um.

Waffenschmuggel in der Thermoskanne

Der erste Prozesstag am Landgericht Arnsberg stand nach der Verlesung der Anklageschriften im Zeichen der Beweisaufnahme. Und so wurden weitere Details bekannt über das Funktionieren dieser Lieferkette. Im Mittelpunkt stand dabei zunächst ihr erstes Glied, ein heute 47-jähriger Mann, der als Mitarbeiter von Umarex offenbar über Jahre hinweg Waffenteile und Konstruktionszeichnungen aus dem Werk geschmuggelt hat.

Laut Anklage soll er etwa 70 Waffen in Einzelteilen mitgenommen und daheim montiert haben. Dabei bewies er kriminellen Einfallsreichtum, schmuggelte etwa Pistolenläufe in seiner Thermoskanne durch die Sicherheitskontrollen.

800 Euro für eine kleine P22, 1200 Euro für die Neun-Millimeter-Pistole

Handelspartner für den Umarex-Mitarbeiter war ein Mann aus Menden. Er kaufte die kleinkalibrigen Pistolen des Typs P22 für 250, später für 350 Euro an, um sie für 800 Euro weiterzuhandeln. Die wuchtigere Neun-Millimeter-Pistole PK380 gab es beim Monteur für 500 Euro. Im Weiterverkauf brachte sie 1200 Euro.

Die Walther P22 war Polizeidienststellen in verschiedenen Teilen Deutschlands mit einer ungewöhnlichen Häufung bei Razzien im Rockermilieu ins Netz gegangen. Ebenso auffällig war, dass diese Waffen offenbar nie eine Seriennummer oder ein Beschusszeichen getragen hatten. Das legte den Verdacht nahe, dass sie Waffen oder ihre Bauteile bereits in der Herstellung entwendet worden waren.

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