„Wir für Unna“ muss nach dem Austritt von Gründer Christoph Tetzner zwei weitere Köpfe ersetzen. Ginge es nach Tetzner, wären es mehr: Er schlägt Ingrid Kroll und Margarethe Strathoff den Rücktritt vor.

Unna

, 23.10.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Wahlergebnis am 13. September bot „Wir für Unna“ noch Grund zum Feiern, doch seitdem kommt die junge Stadtpartei nicht mehr zur Ruhe. Der Austritt von Gründer Christoph Tetzner machte schon kurz nach der Kommunalwahl deutlich, dass sich die neue WfU-Fraktion im Stadtrat nur mit drei statt vier Sitzen aufstellen wird. Und nun tun sich auch im Vorstand des Vereins Lücken auf.

Die Geschwister Katharina und Sebastian Suttrop sind zurückgetreten, das bestätigte die Vereinsvorsitzende Margarethe Strathoff nun auf Nachfrage. Damit verliert die neue Stadtpartei Schriftführerin und Kassierer.

Strathoff: Rücktritte haben nichts mit Tetzner-Streit zu tun

Diese Entscheidung hätten die beiden bereits in der vergangenen Woche mitgeteilt. Einen Zusammenhang mit den Streit zwischen dem ausgetretenen Christoph Tetzner und seinen bisherigen Mitstreiterinnen will Strathoff nicht hergestellt sehen. Bei Katharina Suttrop bilde die persönliche Lebensplanung den Hintergrund, während Sebastian Suttrop die Kassenführung erst im März vom dauerabwesenden Tetzner übernommen habe und diese Aufgabe nun ganz gerne wieder abgeben möchte.

Jetzt lesen

Ungeachtet dieser Personalien sorgt allerdings schon der Zwist zwischen Tetzner und den drei verbliebenen Ratsmitgliedern der WfU für Unruhe. Tetzner legt nun zwar ein Friedensangebot vor, doch dessen Akzeptanz ist so unwahrscheinlich, dass man wohl eher eine Provokation darin sehen muss: „Wenn Ingrid Kroll und Margarethe Strathoff zurücktreten, gebe auch ich mein Ratsmandat zurück“, verspricht er. Käme es dazu, wäre von den vier WfU-Kandidaten, die der Bürger am 13. September in den Stadtrat gewählt hat, lediglich Bärbel Risadelli übrig.

Tetzner will Mandat zunächst aus Prinzip behalten

Tetzner hatte seinen bisherigen Mitstreiterinnen schon im September, wenige Tage nach der Wahl, seinen Austritt aus dem Verein „Wir für Unna“ mitgeteilt. Für die Gründung einer Ratsfraktion hatte er dann zwar noch eine Einladung bekommen, die er aber ausschlug. Stattdessen vereinbarte er eine Fraktionsgründung mit Petra Weber, der einzigen Ratsfrau für „Die Linke“ im neuen Rat.

Sein Ratsmandat abzugeben, komme für ihn derzeit nicht infrage – aus Prinzip nicht, wie er erklärt. Zwar will Tetzner vor der Wahl geplant haben, in der Politik kürzer zu treten und auf einem eher unsicheren Listenplatz für den Rat zu kandidieren, aber nun stelle er sich gewissermaßen gegen Kroll und Strathoff auf, bis diese ihrerseits den Weg für einen Neuanfang bei Wir für Unna frei machen.

Jetzt lesen

Überlegungen, dem Vorschlag Tetzners zu folgen, gibt es natürlich nicht bei Ingrid Kroll und Margarethe Strathoff. Stattdessen befassen sich die beiden mit der Frage, wie man Tetzner auch gegen seinen Willen aus dem Rat der Stadt Unna bekommen kann. Tetzners private Situation gerät dabei in den Fokus: Seit dem Frühling hängt er in Griechenland fest.

Es sind berufliche und private Gründe, die den Unnaer seit Jahren immer wieder dort hin geführt haben. Aktuell binden sie ihn stärker als sonst, aber auch Reisebeschränkungen durch die Corona-Pandemie erschweren seine Rückkehr nach Deutschland. Mal verhinderten Kontakte mit Infizierten und die dafür greifenden Quarantäneregeln den Flug. Groß sei aber auch die Sorge, so schnell nicht mehr von Deutschland nach Griechenland zu kommen, wie es vielleicht notwendig werden könnte.

Jetzt lesen

Dass Tetzner im Wahlkampf vor Ort nicht mitgewirkt hat und in Abwesenheit in den Rat gewählt wurde, hätten ihm seine Vereinskollegen noch durchgehen lassen, zeigt die WfU-Vorsitzende Strathoff Verständnis für Tetzners Lage. Aber Aus- und Übertritt von WfU zu Petra Weber sowie die Art und Weise, wie Tetzner sie durchgeführt hat, hätten dann doch die Regeln geändert.

WfU will Tetzner aus dem Stadtrat zwingen

Aktuell lässt Wir für Unna die Rechtmäßigkeit von Tetzners Ratsmitgliedschaft prüfen. Mitglied im Rat der Stadt Unna kann nur sein, wer seinen Hauptwohnsitz in der Stadt hat – und das spricht „Wir für Unna“ seinem Gründer inzwischen ab. Weil Tetzner aus der Ferne auch einen Umzug in Unna zu organisieren hatte und für seine neue Adresse die Anmeldung beim Einwohnermeldeamt aussteht, prüft die Stadtverwaltung des Sachverhalt.

Einfach wird diese Prüfung vermutlich nicht, muss doch zwischen den allgemeinen Regeln des Melderechtes und den besonderen Problemen der Corona-Zeit ein gewisses Augenmaß gewahrt sein. Vermutlich werde der Wahlausschuss der Stadt erst Anfang 2021 die eingereichten Beanstandungen zur Wahl behandeln, klang es aus dem Rathaus durch.

Tetzner gibt sich zuversichtlich, derlei Probleme zu lösen. Er werde so bald es geht nach Deutschland und nach Unna zurückkehren – und bei der konstituierenden Ratssitzung am 19. November seinen Platz einnehmen.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Hammer Straße
Auto-Wendekreis am Streit-Poller: Planung unabhängig vom Projekt Mühle Bremme
Meistgelesen