Einsam im Alter: Wie die „Zeitschenker“ das Leben von Senioren bereichern

dzEinsamkeit

Damit einsame Senioren nicht verkümmern, hat die Pfarrei St. Katharina vor zwei Jahren das Projekt „Geschenkte Zeit gegen Einsamkeit“ ins Leben gerufen. Evmarie Tomio ist eine von vielen „Zeitschenkern“.

Unna

, 29.09.2020, 16:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ilse Rottmann lebt alleine. Die 95-Jährige, die in ihrem Haus in Königsborn wohnt, kann ihren Alltag noch gut selbstständig bewältigen: Mit Kochen, Hausputz und kleineren Gartenarbeiten ist die Seniorin oftmals gut beschäftigt - wären da nicht doch manchmal die Momente, in denen sie sich einsam fühlt. Dann freut Rottmann sich besonders über ihre „Zeitschenkerin“ Evmarie Tomio, die einmal in der Woche zu Besuch kommt, um der Seniorin Gesellschaft zu leisten, sich mit ihr auszutauschen oder gemütlich bei Kaffee und Kuchen zusammen zu sitzen.

„Man kann mit einfachem Dasein schon sehr viel Gutes tun, das ist ein Geben und Nehmen für beide Seiten.“
Zeitschenkerin Evmarie Tomio

Die „Geschenkte Zeit gegen Einsamkeit“ sei eine enorme Bereicherung in ihrem Leben, wie Rottmann erzählt: „Seit mein Mann im Jahr 2011 verstorben ist, sehe ich lediglich meinen Sohn und meine Enkel; gerade am Wochenende bin ich aber meist alleine.“ Umso mehr freut sich Rottmann dann auf den Montag, wenn Evmarie Tomio sie für etwa eine Stunde besuchen kommt: „Das ist mein Lieblingstag in der Woche“, sagt die 95-Jährige.

Shopping-Ausflüge, Urlaubfotos anschauen, lange Gespräche führen

Aber auch die 73-jährige „Zeitschenkerin“ zehrt von der Zeit mit „ihrer“ Seniorin: „Man kann mit einfachem Dasein schon sehr viel Gutes tun“, sagt Tomio, „das ist ein Geben und Nehmen für beide Seiten.“ Tomio selbst habe sich vor dem Tod ihrer Mutter viel um diese gekümmert, nun nutzt die 73-Jährige ihre freie Zeit unter anderem für Ilse Rottmann: „Auch ich habe ja sonst niemanden mehr, der mir von Früher erzählen kann“, sagt sie. „Deswegen bin ich gerne hier.“ Gemeinsam hat das Duo auch schon einen Shopping-Ausflug nach Unna unternommen, Tomios Urlaubsfotos angeschaut oder „einfach nur über Gott und die Welt geredet“.

Neue Termine

Schulung zum „Zeitschenker“

  • Die neue Schulung beginnt am Mittwoch, 30. September, um 18 Uhr im Forum der Herz-Jesu-Kirche, Gabelsbergerstraße 2, in Königsborn.
  • Der Kurs umfasst sieben Termine; diese finden wöchentlich statt und dauern etwa eineinhalb Stunden.

Das sei auch das Ziel des Projektes, das vor zwei Jahren von der Pfarrei St. Katharina ins Leben gerufen worden ist. „Es geht nicht darum, unterstützende Arbeiten für Senioren zu leisten, sondern einfach nur darum, gemeinsam Zeit zu verbringen“, sagt Projektkoordinatorin Nicola Nawrath. Sie ist froh, dass sich bereits 20 solcher „Zeitschenker-Paare“, wie Rottmann und Tomio es sind, gefunden haben. „Es gibt so viele Senioren, bei denen der Partner bereits verstoben ist, die Kinder weggezogen sind, und die auch sonst niemanden mehr haben, der ihnen zuhört. Sie sehen dann nur noch den Pflegedienst.“ Eine Seniorin habe zuletzt etwa wörtlich gesagt: ‚Ich sehe niemanden mehr, ich höre niemanden mehr - ich glaube, ich bin schon tot‘, erzählt Nawrath. Aussagen wie diese zeigten ihr immer wieder, wie wichtig das Projekt ist.

Weitere „Zeitschenker“ gesucht

Damit dieses weiterhin am Leben bleibt und engagierte Ehrenamtler hinzukommen, gibt es nun eine neue Schulung zum „Zeitschenker“ (siehe Infokasten). Den Teilnehmern, ist sich Nawrath sicher, steht eine genau so schöne Zeit bevor, wie Ilse Rottmann und Evmarie Tomio sie bereits miteinander verbringen. Denn die geschenkte Zeit gegen Einsamkeit, sind sich beide sicher, ist eine echte Bereicherung.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Gastronomie
Jung und selbstständig: So bewältigt Konditormeisterin Emily Gorden (24) die Corona-Krise
Hellweger Anzeiger Ferientipps
Tipps zum Ende der Herbstferien: Kino und Kunst, Kettenschmieden und komische Vögel
Hellweger Anzeiger Interaktive Karten
Corona-Vergleich: So verschieden trifft die zweite Welle die Städte im Kreis Unna