Unterstützung bei Einsätzen: Twitter-Rechercheure gesucht

Filme, Fotos, Tweets: Bei polizeilichen Großlagen, aber auch in manchen Vermisstenfällen läuft das Internet voll mit Informationen zum Beispiel von Augenzeugen. Was ist echt, was ist Fake? Was hilft den Beamten vor Ort? Das sollen künftig Experten checken.

29.11.2020, 09:12 Uhr / Lesedauer: 2 min
„Polizei Social Media“ steht auf einer Weste eines Polizisten. Foto: Swen Pförtner/dpa/Archivbild

„Polizei Social Media“ steht auf einer Weste eines Polizisten. Foto: Swen Pförtner/dpa/Archivbild

Die Polizei in NRW sucht Social-Media-Experten, die bei Facebook, Twitter oder Instagram Informationen recherchieren - um die Kollegen im Einsatz zu unterstützen. So könnten die Polizisten beispielsweise mit aktuellen Fotos von vermissten Personen versorgt werden oder Internet-Videos gesichtet werden, wenn es eine Großlage wie einen Amoklauf gibt. Das Innenministerium bestätigte auf dpa-Anfrage, dass jetzt entsprechende „Monitoring- und Kommunikationscenter“ (GMKC) eingerichtet werden.

Zunächst sollen laut Ministerium die Kriminalhauptstellen Bielefeld, Dortmund, Düsseldorf, Essen, Köln und Münster jeweils ein GMKC bekommen. Eine Ausweitung auf andere Dienststellen sei bei positiven Erfahrungen nicht ausgeschlossen. Die Stellen werden zurzeit ausgeschrieben - gesucht werden Zivilisten, sogenannte Regierungsbeschäftigte.

Hintergrund ist das Forschungsprojekt „Sentinel“ der Deutschen Hochschule der Polizei, an dem unter anderem das Präsidium in Dortmund beteiligt war. Die These, laut den Forschern: „Soziale Medien vereinen riesige Datenbestände von Fotos, Videos, Informationen und Nachrichten in einem Medium.“ Ein großer Recherchefundus für die Polizei. „Auch spezielle Informationen zu Örtlichkeiten, wie Zugangssituationen, Hinterausgänge, Fluchtwege oder Baumaßnahmen, können Ergebnisse der Informationsgewinnung sein“, so die Kriminal-Forscher.

Diese sogenannte „Open Source Intelligence“ (OSINT), ein Informationsnetz aus freien Quellen, wird für die Polizei immer wichtiger. „Bei einer Vielzahl von Einsatzlagen des täglichen Dienstes, wie z.B. Fahndungslagen, Gewalt im sozialen Nahraum, Straßenkriminalität etc. können durch die Nutzung von OSINT einsatzrelevante Informationen erlangt werden, die zu einem besseren Schutz der Einsatzkräfte und der Bevölkerung sowie zu einer professionelleren Aufgabenbewältigung beitragen können“, so die Köpfe hinter dem Pilotprojekt, das 2018 und 2019 lief - und als Erfolg verbucht wurde.

Daher bekommen die sechs Kriminalhauptstellen in NRW nun mehrere OSINT-Experten. Ihre Aufgaben, laut Ausschreibung: „Medienbeobachtung sowie Beschaffung von Echtzeitinformationen zur Unterstützung unterschiedlichster Einsatzlagen“ oder auch „Verifizierung der erlangten Informationen (z.B. Fake-News, Glaubwürdigkeit der Daten)“.

Ein Sprecher des Innenministeriums sagte der dpa: „Ziel ist es, durch die Verwendung fachkundiger Regierungsbeschäftigter, die Kompetenz in OSINT-Recherchen zu erweitern und Polizeivollzugsbeamte von Recherchetätigkeiten zu entlasten.“

Voraussetzung ist laut Ausschreibung ein abgeschlossenes Studium oder eine Ausbildung zum „Informations-Broker“ oder Social-Media-Manager. Auch Informatiker werden gesucht. Grundgehalt: Rund 3400 Euro.

Weitere Meldungen