Angeklagter bestreitet Mord an Ex-Frau: „Unsere Ehe war gut“

Weil er sich in seiner Ehre verletzt sah, soll ein 40-Jähriger in Herten seine Ex-Frau erwürgt haben. Die Staatsanwaltschaft hat den Mann wegen Mordes angeklagt. Doch der erzählt eine andere Geschichte.

30.11.2020, 01:42 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Tod einer 42-Jährigen Ende Juni in Herten beschäftigt seit Montag das Bochumer Schwurgericht. Oberstaatsanwalt Andreas Bachmann ist davon überzeugt, dass die dreifache Mutter erwürgt wurde und hat den Ex-Mann des Opfers wegen Mordes angeklagt. Zu Prozessbeginn wies der 40 Jahre alte Mann jedoch alle Schuld von sich. „Unsere Ehe war gut“, behauptete er.

Das Paar soll sich etwa vier Monate vor der Tat getrennt haben. Laut Staatsanwaltschaft war die Frau mit den drei Kindern nach Dortmund gezogen. „Durch ihr Handeln sah sich der Angeklagte in seiner persönlichen Ehre verletzt“, heißt es in der Anklageschrift. Vor allem habe der 40-jährige Syrer es abgelehnt, das Sorgerecht für die drei Kinder im Alter von zwei bis fünf Jahren künftig mit seiner ebenfalls syrischen Ex-Frau teilen zu müssen. Bei einer Aussprache Ende Juni in der vormals gemeinsamen Wohnung in Herten soll der Mann die Frau deshalb brutal geschlagen und anschließend im Schlafzimmer erwürgt haben.

Von diesen Vorwürfen will der 40-Jährige jedoch nichts hören. „Meine Frau muss an einem Schlaganfall gestorben sein“, ließ er einen Dolmetscher im Prozess übersetzen. Auch ein Herzinfarkt komme als Todesursache infrage. Er könne sich jedenfalls noch daran erinnern, dass seine Ex-Frau am Tag zuvor über Schmerzen in der Brust geklagt habe. Am frühen Morgen des 29. Juni will er die Frau schließlich leblos im Badezimmer gefunden haben. Gemäß einem arabischen Ritus habe er die Leiche danach entkleidet, mit lauwarmen Wasser gewaschen und anschließend wieder angezogen und auf das Bett im Schlafzimmer gelegt, sagte der Mann den Richtern.

Dieses bizarre Bild bot sich auch den Rettungssanitätern, als sie am Nachmittag nach einem Notruf des Angeklagten in die Wohnung kamen. „Die Frau lag sauber und gerade abgelegt auf mehreren Decken“, erinnerte sich ein Feuerwehrmann am Montag als Zeuge. Die Totenflecken seien bereits ausgebildet gewesen. „Es war schnell klar, dass wir da nicht mehr helfen konnten“, so der Sanitäter. Auf die Frage, welchen Eindruck der Angeklagte auf ihn gemacht habe, antwortete der Zeuge: „Er war sehr ruhig und gefasst. Irgendwie wirkte er ein bisschen gleichgültig.“

Eine der Töchter des Ehepaares soll bei der Polizei ausgesagt haben, dass der Angeklagte ihre Mutter ins Schlafzimmer verfolgt und dort gewürgt habe. Als die Richter den Angeklagten mit dieser Aussage konfrontierten, wiegelte dieser aber nur ab. Das Mädchen habe sicherlich nur „nachgeplappert“, was die Polizisten ihm vorgegeben hätten, ließ er den Dolmetscher übersetzen. Er bleibe dabei, dass er nichts getan habe.

Die Kinder befinden sich seit der Festnahme des Mannes in Obhut des Jugendamts. Das Bochumer Schwurgericht hat für den Prozess zunächst noch fünf weitere Verhandlungstage bis zum 16. Dezember terminiert.

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