Ehemann erstochen: Zwei Jahre und neun Monate Haft für Frau

Ein betrunkenes Ehepaar gerät in heftigen Streit und die Frau ersticht ihren Mann. Dafür wurde sie nun verurteilt - ihre Familie hat sie schon vorher längst verloren.

12.08.2020, 02:42 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Prozess um den gewaltsamen Tod eines Familienvaters hat das Landgericht Düsseldorf heute die angeklagte Ehefrau zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Die Richter werteten die tödliche Messerattacke auf den Ehemann als Körperverletzung mit Todesfolge. Die 40-Jährige sei zum Tatzeitpunkt erheblich angetrunken gewesen und daher nur vermindert schuldfähig. Die Richter folgten damit der Einschätzung eines psychiatrischen Gutachters.

Die Koreanerin hatte die Tat gestanden. Sie habe aber Mitte Dezember den 39-jährigen Vater ihres dreijährigen Sohnes nach einem gemeinsamen Zechgelage weder verletzen und noch töten wollen. Sie habe mit dem Küchenmesser nur einen sexuellen Übergriff ihres angetrunkenen Mannes abwehren wollen.

Das glaubte ihr die Strafkammer. „Es spricht einiges gegen einen Tötungsvorsatz“, betonte die Vorsitzende. „Es ist kein Motiv erkennbar, vielmehr das Gegenteil. Die Frau hat hier alles verloren: ihren Ehemann und ihren Sohn.“ Zudem, so die Richterin weiter, habe es nur einen einzigen Stich gegeben und die Angeklagte habe zunächst selbst versucht, die Wunde zu versorgen, dann ihren Mann wiederzubeleben und zuletzt habe sie völlig aufgelöst den Notarzt gerufen.

Laut Anklage hatte sie ihrem angetrunkenen Mann ein Messer mit 20 Zentimeter langer Klinge tief in den Rücken gerammt. Dabei wurden zwei Schlagadern durchtrennt. Der 39-jährige Messebauer war innerlich verblutet.

Staatsanwalt Markus Klein hatte drei Haft gefordert. Er würdigte dabei die damalige Situation der Frau. Die 40-Jährige habe sich von ihrem viel arbeitenden Mann im Haushalt und mit der Erziehung des Sohnes alleingelassen gefühlt. Zudem habe sie am Tattat unter erheblichem Schlafmangel gelitten und sei leicht reizbar gewesen.

Verteidiger Johannes Kagerer hält seine Mandantin aufgrund des starken Alkoholkonsums am Tattag sogar für gänzlich schuldunfähig. Er hatte deshalb Freispruch oder allenfalls eine Bewährungsstrafe gefordert.

Er wies auch auf die schwerwiegenden Tatfolgen hin. Seine Mandantin alles verloren. Ihr Ehemann und Versorger sei tot, der Sohn in Südkorea, die Wohnung aufgelöst, eine Arbeit habe die 40-Jährige nicht. Zudem spreche die Frau kaum Deutsch und sitze seit Dezember als Ausländerin in Untersuchungshaft.

Unter Tränen sagte die 40-Jährige am Mittwoch: „Ich habe das alles nicht beabsichtigt. Ich habe mir nie ein Leben ohne meinen Mann vorgestellt“, sagte sie. „Ich würde am liebsten machen, dass Unfall nicht geschehen wäre.“

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