„Ich schlitz euch auf, ich stech euch ab“ – Mann (22) bedroht Mitarbeiterinnen einer Wohngruppe

dzAmtsgericht Kamen

Zwei Mitarbeiterinnen einer Wohngruppe in Kamen wurden von einem 22-Jährigen bedroht – verbal und mit Plastikwaffe. Im Gericht wird klar, dass es sich bei der Tat nicht nur um ein Vergehen handelte.

von Jana Peuckert

Kamen

, 09.07.2020, 10:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nicht wissend, was als nächstes passieren würde, hatten sich zwei Mitarbeiterinnen einer Wohngruppe einer kirchlichen Einrichtung in Kamen am Nachmittag des 28. Mai im Büro verschanzt. Im Nebenraum wütete derweil ein 22-Jähriger, warf Stühle umher und schrie: „Ich schlitz euch auf, ich stech euch ab.“

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Die Frauen verständigten aus Angst vor dem Mann die Polizei. Eine der beiden machte vom Balkon aus auf sich aufmerksam. Sie wechselte später, offenbar schwer vom Vorfall mitgenommen, sogar ihren Arbeitsplatz. Kurz bevor sich die Geschädigten eingeschlossen hatten, hatte sich der Mann eine Sturmhaube aufgesetzt und die beiden Frauen mit vorgehaltener, sehr echt wirkender Spielzeugwaffe aufgefordert, ihm sein Taschengeld sowie ihre Handys und Schmuck herauszugeben.

Aussage des Angeklagten rückt die Tat in ein neues Licht

All das gab der 22-Jährige im Amtsgericht Kamen an – und damit viel mehr, als angeklagt worden war. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautete nämlich: Bedrohung durch das Vorhalten der Plastikwaffe. Durch die Forderung nach Geld, Telefonen und Schmuck wurde aus der Bedrohung eine räuberische Erpressung.

Damit nahm der Fall eine komplette Wendung. Paragraph 12 im Strafgesetzbuch regelt den Unterschied zwischen Vergehen und Verbrechen. Vergehen sind danach nicht so schwerwiegende Taten, die mit geringer Freiheitsstrafe oder Geldstrafe bedroht sind.

Richter am Amtsgericht Kamen ist doch nicht für den Fall zuständig

Verbrechen liegen hingegen vor, wenn es sich um schwerwiegende Straftaten handelt, die mit einer Mindestfreiheitsstrafe von einem Jahr sanktioniert werden. Im vorliegenden Fall ist die Bedrohung ein Vergehen, während eine räuberische Erpressung unter Verbrechen fällt. Damit ist auch nicht mehr der Einzelstrafrichter im Amtsgericht dafür zuständig, sondern das Schöffengericht.

Sollte es bei dem Angeklagten, dem eine Intelligenzminderung und Verhaltensstörungen attestiert wurden, um eine Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik gehen, wäre sogar das Landgericht für den Fall zuständig.

Mit Blick darauf gab es im Amtsgericht Kamen jedenfalls kein Urteil. Der Prozess wird nun am entsprechend zuständigen Gericht geführt. Dann könnte es auch ein psychiatrischen Gutachten zur Frage der Schuldfähigkeit des Kameners geben.

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