BVB-Königstransfer Brandt sucht seine Position - Favre muss das Luxusproblem schnell lösen

dzBorussia Dortmund

Mal außen, mal im Zentrum, mal im Sturm, Julian Brandt sucht weiter nach seiner Position. Lucien Favre muss schnell eine Lösung finden - bevor die Personalie zum Dauerthema wird.

Dortmund

, 09.10.2019, 15:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Schon im Juni, der Wechsel war gerade vermeldet und Julian Brandt mit seinen Bald-Ex-Kollegen von Bayer Leverkusen zur Saisonabschlussfahrt nach Barcelona aufgebrochen, gab die „Süddeutsche Zeitung“ Brandts künftigem Trainer eine Arbeitsanweisung für die Vorbereitung mit auf den Weg.

„Ihr Auftrag, Herr Favre!“, war ein Artikel betitelt, in dem das mögliche Problem bei dieser Verpflichtung beleuchtet wurde: Brandt kam als Offensivspieler zum BVB, der zwar alle drei Positionen in einem 4-2-3-1 bekleiden kann, der sich aber im Zentrum am wohlsten fühlt. Im Dortmunder Zentrum aber gab es keinen freien Platz für den 23-Jährigen. Was also tun mit diesem Ausnahmespieler, Herr Favre?

Sechs Treffer und elf Vorlagen

Es bedurfte keiner hellseherischen Fähigkeiten, um das mögliche Konfliktpotenzial dieser speziellen Konstellation zu erkennen. Favre hatte die zentrale Zehnerposition an Marco Reus vergeben, der Kapitän diese Rolle in Favres erster BVB-Spielzeit beinahe perfekt ausgefüllt.

BVB-Königstransfer Brandt sucht seine Position - Favre muss das Luxusproblem schnell lösen

lian Brandts Statistik in der vergangenen Saison bei Bayer Leverkusen war überragend. © deltatre

Brandt kam mit der Empfehlung einer Rückrunde bei Bayer Leverkusen, in der er unter Peter Bosz von der Außenbahn in die Mitte beordert worden war und an der Seite seines Kumpels Kai Havertz regelrecht explodierte. In allen 17 Rückrundenspielen hatte Brandt in der Startelf gestanden und dieses Vertrauen mit sechs Treffern und elf Assists zurückgezahlt.

Sein Spielverständnis, sein Zug zum Tor und seine Qualitäten, selber abzuschließen oder die Mitspieler einzusetzen, machten Brandt, der dank einer Ausstiegsklausel für 25 Millionen Euro zu bekommen war, zu einem echten Schnäppchen. Doch für einen neuen Spieler würde sein neuer Trainer in Dortmund nicht gleich seine Philosophie über den Haufen werfen.

Erst im vierten Pflichtspiel war Julian Brandt in der Startelf

Der Herausforderung, mit dem Wechsel zum BVB in eine völlig neue Konkurrenzsituation einzutreten, war sich Julian Brandt bewusst. Raus aus der Komfortzone - so lautete das Motto, „du musst aus der Selbstverständlichkeit raus, immer zu spielen. Das prägt dich“, erzählte er unlängst im Stadionmagazin der Borussia. „Ich wollte das unbedingt machen.“

Kaum vier Monate nach dem Start beim BVB hat Brandt schon erfahren müssen, wie anders es ist in Dortmund im Vergleich zu Leverkusen. Erst im vierten Pflichtspiel der Saison durfte er erstmals als Startelfspieler auflaufen, das war ausgerechnet beim 1:3 in Berlin.

BVB-Königstransfer Brandt sucht seine Position - Favre muss das Luxusproblem schnell lösen

Gegen Union Berlin stand Julian Brandt in der Startelf - konnte aber nicht überzeugen. © imago images / Matthias Koch

In der Woche zuvor war er der gefragteste Mann nach dem 3:1 in Köln, weil Brandt nach seiner Einwechslung mit einer beherzten Leistung die Wende maßgeblich mit herbeigeführt hatte. Es war wohl kein Zufall, dass Brandt bei seiner besten Leistung im BVB-Trikot in Köln im Mittelfeld-Zentrum spielte.

Das Pendeln tut Julian Brandts Form nicht gut

Die Glücksgefühle waren von kurzer Dauer. In Berlin (als Linksaußen) enttäuschte Brandt wie fast alle Dortmunder, nach dem folgenden 4:0 gegen seine Ex-Mannschaft Leverkusen war er seinen Stammplatz auch schon wieder los. Kurzeinsätze gegen Barcelona, in Frankfurt und gegen Bremen, Startelf in Prag, Ein- und Auswechslung in Freiburg: Brandt pendelte fortan zwischen Bank und Rasen - und das tat seiner Form nicht gut.

BVB-Königstransfer Brandt sucht seine Position - Favre muss das Luxusproblem schnell lösen

Ein Bild, das sich stets wiederholt: Bisher kommt Julian Brandt häufig von der Bank. © imago images/Kirchner-Media

Die Situation sei nicht einfach, erklärte er nach dem 2:2 in Freiburg zerknirscht. „Es ist schwierig, wenn du immer wieder auf der Bank sitzt und nur Kurzeinsätze hast“, meinte er. „Dann spielst du 90 Minuten, dann sitzt du vielleicht wieder auf der Bank.“

Jetzt lesen

In Freiburg musste er „kalt“ in die Partie nach der Verletzung von Lukasz Piszczek und wurde aus taktischen Gründen wieder ausgewechselt. Das passt irgendwie ins Bild eines Spielers, der noch nach seiner Position und seinem Stellenwert für den neuen Klub sucht.

Frust macht sich breit bei Julian Brandt

Brandt ist frustriert. Das spürt man, auch wenn er es nicht sagt. Die Situation nagt an ihm. Die Mannschaft stehe aber immer über einzelnen Härtefall-Entscheidungen, fügte er in Freiburg noch an. Kritik an den Entscheidungen des Trainers verkniff er sich, auch wenn er schon einfachere Zeiten erlebt hat.

BVB-Königstransfer Brandt sucht seine Position - Favre muss das Luxusproblem schnell lösen

Auf der Bank wird Julian Brandt auf Dauer nicht glücklich. © imago images / RHR-Foto

Noch harmoniert es nicht wie gewünscht zwischen dem BVB und seiner offensiven Top-Verpflichtung des vergangenen Sommers. „Es gibt Phasen, in denen es als Team nicht so läuft“, sagt Brandt. „Dann läuft auch vieles gegen einen.“ Seine klaren Analysen sind wohltuend, weil er ehrlich ist und nicht mit Selbstkritik spart.

Jetzt lesen

Brandt weiß, dass der Wechsel nach Dortmund mit hohen Erwartungen verknüpft war. „Hier ist alles größer“, sagt er. Und die Kritik komme schneller. Brandt benennt die Dinge, wie sie sind. Seine Sprache ist schnörkellos wie sein Spiel auf dem Rasen: „Wir sind nicht glücklich mit der Situation“, sagt er, „aber so richtig beschissen ist sie ja auch noch nicht.“

BVB-Königstransfer Brandt sucht seine Position - Favre muss das Luxusproblem schnell lösen

In der Bundesliga ist Julian Brandts Statistik noch ausbaufähig. © deltatre

In den Länderspielen kann er nun auf andere Gedanken kommen und will „Schwung mitnehmen für den BVB.“ Brandt will die Wende, es kristallisiert sich heraus, dass Lucien Favre schnell eine Lösung finden muss für das Luxusproblem mit diesem Spieler. Bevor die Personalie zum unangenehmen Dauerthema wird.

Lesen Sie jetzt