Suche nach Atommüll-Endlager: Weite Teile des Kreises Unna kommen nicht in Frage

dzRadioaktiver Müll

Der äußerste Norden des Kreises Unna gilt als grundsätzlich geeignet für ein Atommüll-Endlager, Bergkamen und der gesamte südliche Kreis Unna dagegen nicht. Der Grund liegt in der Vergangenheit.

Bergkamen/Kreis Unna

, 29.09.2020, 15:01 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer die Karte betrachtet, die an diesem Montag von der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) in Peine veröffentlicht wurde, sieht: Mehr als die Hälfte der Fläche der Bundesrepublik kommt geologisch für ein Atommüll-Endlager in Frage – um genau zu sein: 54 Prozent. Farbige Flächen auf der Karte zeigen, wo es im Untergrund Gesteinsschichten gibt, die den radioaktiven Müll theoretisch für mindestens eine Million Jahre sicher aufnehmen könnten.

Geeigneter Bereich nur im äußersten Norden des Kreises

Bergkamen, Kamen und der gesamte südliche Kreis Unna sind dabei ausgespart und gehören zu den weißen Flächen auf dem Plan. Nur der äußerste Norden des Kreisgebiets um Selm herum und im Norden von Werne sind lila eingefärbt. Dort befindet sich in etwa 400 Meter Tiefe eine bis zu 1200 Meter dicke Schicht von sogenanntem „Prätertiärem Tongestein“, das geeignet ist, ein Endlager aufzunehmen.

Noch stehen die Behälter mit dem radioaktiven Müll in Zwischenlagern, zum Beispiel in Atomkraftwerken. Die BGE sucht nach einer geeigneten Stelle, um sie endgültig zu lagern.

Noch stehen die Behälter mit dem radioaktiven Müll in Zwischenlagern, zum Beispiel in Atomkraftwerken. Die BGE sucht nach einer geeigneten Stelle, um sie endgültig zu lagern. © dpa

In Bergbaugebieten drohen Wassereinbrüche

Dass Bergkamen und der größte Teil des Kreises ausgespart sind, liegt an den ehemaligen Steinkohlezechen. Die BGE hat ihre Lehren aus dem ursprünglich geplanten Atommüllendlager gezogen, der Schachtanlage Asse – einem ehemaligen Salzbergwerk, in dem ab Mitte der 60er-Jahre Atommüll eingelagert wurde. „Dort haben sich Wasser-Wegbarkeiten gebildet“, erläutert Monika Hotopp, die Pressesprecherin der BGE. Mit anderen Worten: In den ehemaligen Grubengebäuden kann Wasser einsickern und in Kontakt mit dem radioaktiven Müll kommen.

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Die BGE geht davon aus, dass es auch in den Bereichen mit ehemaligen Steinkohlenzechen zu ähnlichen Wassereinbrüchen kommen könnte. Deshalb sind auch alle Bereiche, in denen es Bergbau gab, im Plan ausgespart – unter anderem im südlichen Teil von Werne.

Infrastruktur und Besiedlungsdichte werden noch bewertet

Für alle anderen Bereiche gilt, dass die BGE sie weiter auf ihre Tauglichkeit als Endlagerstätte untersucht. Dass dafür ein Standort im äußersten Norden des Kreises in Frage kommt, ist zumindest unwahrscheinlich – nicht nur, weil mehr als die halbe Republik ähnliche Voraussetzungen aufweist.

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Wie Hotopp auf Nachfrage bestätigte, hat die BGE bisher ausschließlich die geologische Tauglichkeit untersucht. Bei den weiteren Untersuchungen spielen auch Kriterien wie Infrastruktur und Bevölkerungsdichte eine Rolle. „Wenn wir zwei gleichwertige Standorte in einem dicht und in einem weniger dicht besiedelten Bereich haben, werden wir uns sicher für den unbesiedelten Bereich entscheiden“, sagte die Pressesprecherin. Bis 2031 soll der Standort feststehen und 2050 die Einlagerung beginnen.

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